19. Juli

Um 5:30 weckt mich Martin, um mir mitzuteilen, dass er nun losfahren will, damit er den nur 7 km entfernten Checkpoint passieren kann, bevor unsere »Freunde« von der »PSB« aus ihrem Schlaf erwachen. Aber während wir uns unterhalten, beginnt sein Magen wieder stark zu zwicken und so beschließt er, mit mir zu warten. Nachdem wir noch mal zwei Stunden geschlafen haben, gehen wir frühstücken (Instant-Nudeln, was sonst?). Am Ende gibt es ärger, der Restaurantbesitzer behauptet, wir hätten noch nicht gezahlt, dabei haben wir das direkt zu Beginn gemacht. Harte Diskussionen. Ich zahle nicht ein zweites Mal, gerade angesichts meines so geringen Budgets. Wir fragen alle Landcruiser, die aus Fernandos Richtung kommen, ob sie einen Radler gesehen haben. Alle verneinen. Warten auf Fernando, Teil 2. Als es an unserer Hoteltür klopft, ist es nicht Fernando, sondern der Hotelbesitzer. Er will direkt Geld für den zweiten Tag, an dem wir uns hier aufhalten. Wieder Diskussionen! Wir hatten eh schon den Touristenpreis gezahlt und wenn ich an die Toiletten und den sonstigen (nicht vorhandenen) Service denke. Als wir dann noch mal für einen halben Tag gezahlt haben, »dürfen« wir endlich gehen. Wir sind noch nicht lange wieder auf der Straße, da sehen wir von weitem einen Radler, ja das ist er, unser Fernando! Nachdem wir noch mal essen waren, geht es endlich weiter, raus aus dieser unfreundlichen Touristadt. Aber nach nur wenigen km bricht Martins Pedal. Wir müssen zurück in die Stadt, um es zu reparieren! Danach ist es schon so spät, dass wir beschließen, nach einem ausgedehnten Abendessen doch noch mal in dieser Stadt – wenn auch in einem anderen Hotel – zu übernachten. Als wir gerade richtig eingeschlafen sind, kommt gegen 1:00 Uhr in unser mit zehn Betten ausgestattetes – aber bisher nur von uns Dreien belegtes- Dormitorium eine siebenköpfige Reisegruppe. Unter anderem ist da auch das hessische Original Pit, den ich schon in Lhasa kennen gelernt hatte, dabei. Er erzählt mir von der gerade überstandenen abenteuerlichen Busfahrt aus dem nur gut 150 km entfernten Xigaze: Erst zwei Stunden später los, nach einer weitern Stunde waren die Bremsen kaputt. Da dies aber nicht repariert werden konnte, sind sie drei Stunden ohne(!) Bremsen weitergefahren, wenn auch ganz langsam. Dann sind sie in einem Fluss gelandet und nicht mehr raus gekommen. Pit gibt mir auch die ersten Infos über die Tour de France: »Telekom« und vor allem Jan Ullrich lägen »gut im Rennen« (»unter den ersten Fünf«).