26. Juli

Wieder schlafe ich »dank« Problemen mit dem Magen schlecht. Zudem »besuchen« uns noch Hunde im Vorzelt. Die erste Aufgabe des Tages lautet »Wasser filtrieren«. Bei dieser Eiseskälte verdammt harte und unangenehme Arbeit. Aber das wird nun zum Alltag werden, da es lebensnotwendig ist. Martin erhitzt dann das Wasser mit seinem Kocher und es gibt wieder Instant-Nudeln (was sonst?). Nun wird zusammengepackt: Martins und meine Sachen müssen auf meinen kleinen Camel-Bak und Martins großen Rucksack verteilt werden. So bekomme ich die kleinen, schweren Dinge, Martin den großen Rest. übrig bleiben mein Zelt sowie mein Schlafsack. Martin schnallt sich noch meinen Schlafsack auf und ich habe mein 4 kg schweres Zelt mit den bloßen Händen zu tragen. Fernando, warum bist du bloß mit UNSEREM Rucksack abgehauen? Dann geht es los. Ich bin froh, ein paar Tage lang nicht mit meinem angeschlagenen Rad über diese grausamen Straßen fahren zu müssen. Wout haben wir auch noch gesehen, er will am Nachmittag – wenn es wärmer ist – zum Camp I nachkommen. Langsam gehen wir, dennoch machen wir immer wieder kleine Pausen. In dieser Höhe ist für uns zur Zeit nichts Anderes möglich. Zunächst geht es bei nur leicht ansteigendem Weg über Bäche und Geröllfelder. Wenn die Sonne rauskommt, wird es in unserer »Winterkleidung« gleich zu warm, wenn sie verschwindet, ist es empfindlich kühl. über einen steilen Schlussanstieg auf schmalen Pfad – wobei wir viele kleine Pausen machen und die phantastisch anmutenden Bergriesen bewundern – erreichen wir bereits am frühen Nachmittag Camp I (5460 m). Ein kleiner Schneeschauer sowie das Wissen um die Wichtigkeit der Akklimatisation lassen uns bereits hier stoppen. Nachdem wir das Zelt aufgebaut haben, steige ich noch für eine weitere halbe Stunde auf, da man eigentlich nie auf seiner höchsten Höhe schlafen sollte. Denn mit der Höhenkrankheit ist alles andere als zu spaßen. Ich begegne ein paar absteigenden Chinesen, deren Gesichter allesamt extrem stark von der Sonne verbrannt sind. Nach einer halben Stunde (wie leicht und angenehm ist das Gehen ohne Gepäck!) erreiche ich eine mich faszinierende Stelle. Hier »muss« ich rasten, und zwar mit allen Sinnen: Ich höre das Rauschen des nahen und reißenden Flusses, das Herunterpoltern vieler Steine in das Tal, ich beobachte, wie sich aus dem riesigen, dreckigen und direkt vor mir befindlichen Gletscher immer wieder kleine Eisblöcke ablösen und in den Fluten des Flusses verschwinden. Im Hintergrund sehe ich viele, noch weiße, Gletscherzungen, die teilweise von der Sonne erleuchtet werden und dann wieder im Nebel verschwinden. Leider wird es mir dann zu kalt und ich gehe zurück. Aber immer noch ist es recht früh, so dass wir die verbleibenden hellen Stunden gemütlich angehen können: Essen (Instant-Nudeln, was sonst?), Tagebuch schreiben, einem Schneeschauer vom Zelt aus zuschauen, schlafen, Wasser filtrieren, Zähne putzen und allernotwendigste Katzenwäsche (ist aber bei Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt auch eine harte Sache) und erneut essen (das Gleiche wie immer). Die »Lage« ist unverändert: Die kanadisch-französische sowie die englische Expeditionen sind mit uns in Camp I, wenn wir auch alle separat hierher aufgestiegen sind. Fernando ist voraus und Wout ist auch am späten Abend noch nicht eingetroffen. In der Nacht schlafe ich wieder nicht gut. Meine »Knochen« tun mir weh, ich wälze mich von einer auf die andere Seite und manchmal muss ich tief durchatmen, um genügend Luft zu bekommen.