1. Etappe

Mit dem Sonnenaufgang aufstehen. Grandioser Blick auf das Etschtal, den gegenüberliegenden Mendelpass und das noch stark beleuchtete Bozen. Nach dem Frühstück noch letzte Vorbereitungen. Dann die 10km zum Start, ein gutes Einrollen.

Um 7:30 Uhr erfolgt der Start. Es geht in gemächlichem Tempo durch Bozen und entlang der Südtiroler Weinstraße durch Kaltern zum Kalterer See. Ich spreche mit dem Sarntaler Eduard Rizzi, der die beiden letzten Jahre jeweils Gesamtzweiter hier wurde. Er ist gut drauf (wie immer). Alois Vigl spricht mich an. Er ist bereits 62 Jahre und letzte Woche beim Rennen „Prad – Stilfserjoch“ in 1:24 h Zehnter im Gesamteinlauf geworden! Ihm macht das Radfahren einfach riesig Freude. Ich schaue mal nach all meinen Teamkollegen: allen scheint die Veranstaltung bisher ganz gut zu gefallen. Joachim Blaas und Marina Ilmer aus dem Vinschgau sind auch am Start, Marina ist wohl die große Favoritin bei den Frauen. Von Auer geht es inzwischen auf der noch kühlen (weil im Schatten liegenden) Ostseite des Etschtals über Leifers direkt nach Pineta, dem Ausgangspunkt unseres heutigen Bergzeitfahrens, hinauf zur „Albergo Schneiderwiesen“: der Anstieg ist 10,7km lang und überwindet 1087 Höhenmeter. Sehr anspruchsvoll.

Die ersten 4 km führt die Strecke immer steil bergan, ohne Möglichkeit zum erholen. Danach gibt es immer mal wieder ein paar kürzere flachere Abschnitte, aber insgesamt geht es recht gleichmäßig bergauf. Um 9:08 Uhr fahren wir über die untere Zeitfahrmatte, das Rennen ist eröffnet. Drei Leute fahren schnell weg, ich bin in der noch vielköpfigen Verfolgungsgruppe. Versuche nicht zu überdrehen. Übernehme dann aber doch bald die Tempoarbeit der Verfolgergruppe. Die Ausreißer kommen näher. Nach rund 5 Rennminuten haben wir sie schon gestellt. Eduard Rizzi ist an meinem Hinterrad und macht auf mich einen starken Eindruck. Aber bald muss er schon reißen lassen. An meiner ersten Zwischenzeitnahme bin ich deutlich schneller als ich mir vorgenommen hatte. Inzwischen ist nur noch ein Fahrer an meinen Hinterrad: ein junger und mir noch unbekannter Rennfahrer. Er schnauft stark, aber bleibt konstant an meinem Hinterrad. Ich fahre mein Tempo weiter. Nach 12 Rennminuten lässt auch mein letzter Begleiter abreißen. Ich liege in Führung. Schon wenige Kehren später kann ich auch keinen Verfolger mehr erkennen.

Ich fahre ein hohes Tempo, aber noch nicht ganz am Limit. Begleitet werde ich nur vom Führungsauto, das vor mir fährt. Immer weiter schraube ich mich in die Höhe, ab und an ist mal wieder ein Blick ins immer tiefer unten liegende Etschtal möglich. Auch meine nächsten Zwischenzeiten lassen eine starke Zeit von mir vermuten, ich werde mein Ziel wohl (mal wieder) übererfüllen. Ich fahre mein Rennen konsequent zuende.

Das Ziel ist ca. 200m früher als ich es erwartet hatte. Von daher komme ich schon nach 39:18 min. ins Ziel – klasse Leistung. Ich fahre mit dem Rad noch ganz hoch, stelle es ab, hole mir etwas zu trinken und ein paar Kekse zu essen und gehe wieder zum Ziel. Weit über 2 min. nach mir kommt erst der Zweite ins Ziel, bald darauf der Dritte und Vierte – alles Italiener. Dann der Schweizer Christen, als Siebten erkenne ich Eduard Rizzi und als Neunten meinen Teamkollegen Johannes Höfler.

Thomas Janz (von Europsport, der hier aber auch für unser Team „Gutes Leben. Für alle!“ startet), wird 27. – auch Markus Spieth und Stephan Ischner fahren ein gute Rennen – so müssten wir in der Mannschaft (die Nico Königstein komplettiert) einen guten Platz belegt haben. Lange und nette Pause mit vielen Gesprächen mit Bekannten – auch ein Interview mit einem Redakteur der italienisch sprachigen Regionalzeitung – Marina Ilmer hilft beim Übersetzen.

Ich kann wunderbar für unsere Kampagne „Gutes Leben. Für alle!“ werben. Später noch ein Interview mit der deutschsprachigen „Dolomitenzeitung“. Dazwischen ein Apfelstrudel.

Gemütliche Abfahrt nach Bozen, dort Mittagessen im Messegelände, das nun für eine Woche unsere Heimat ist. Ausfahren in unsere Unterkunft, gemütlicher Nachmittag. Alle in unserem Team sind mit dem heutigen Renntag sehr zufrieden. Gleichzeitig sind wir alle sehr gespannt, wie es morgen weiter geht.

Herzliche Grüße aus Südtirol/Alto Adige – die Ergebnisse und auch Fotos von heute unter www.girodolomiti.com

Christoph