Bergrennen (Grimpee) Bedoin – Mont Ventoux 2015

Die Hitze im Zimmer (trotz maximal geoeffnetem Fenster in der Nacht) laesst mich nicht gut schlafen. Dennoch fuehle ich mich nicht schlecht. Freue mich auf das Rennen. Die Bedingungen sind gut: fast windstill (eher sogar von hinten), warm, aber nicht zu heiss (max. 25 Grad). Beim Anmelden merke ich, wie etliche RadsportlerInnen meine Anwesenheit wahrneh,en – und sich darueber austauschen – auch wenn ich wegen meiner leider kaum vorhandenen Franzoesisch-Kenntnisse kaum verstehe, was sie da sagen. Merke bei, warmfahren, dass ich ungewoehnlich nervoes bin – neh,e es als positives Signal. Pascal aus Suedfrankreich spricht mich in bestem Deutsch an, seine Mutter ist Sauerlaenderin. Er hat schon Einiges von mir gelesen – und ist selbst ein guter Radfahrer (seine Bestzeit am Ventoux: 69:45 min.!). Vielleicht fahren wir spaeter gemeinsam hoch.

Ich komme zweieinhalb Minuten vor 9 Uhr zum Start. Sofort wird (150 sec. zu frueh) gestartet, ich muss mich erst noch einreihen, dabei voll abbremsen, so dass ich einige Sekunden verliere – und nur auf Platz 20 das Rennen aufnehme. Bin noch etwas irritiert von dem Fruehstart, nehme aber sofort Tempo auf und befinde mich nach einigen hundert Metern wieder weit fahre, bald sogar bereits ganz an der Spitze des Feldes. Ein mir unbekannter Faher faehrt uns allen weg, aber nach weniger als einem km haben wir ihn wieder gestellt. Nun bin ich vorne. Fordere die Verfolger auf, auch mal Fuehrungsarbeit zu ueberneh,en. Zwei versuchen es dann auch mal kurz, das wird mir dann aber zu langsam. Wir verlassen schon langsam den ersten Abschnitt, der uns durch landwirtschaftliche Felder (u.a. Weinbau) gefuehrt hat – nun wird es auf dem mittleren Abschnitt auch deutlich steiler. Der Gleiche, der vorhin schon einmal weg fuhr, versucht es nun noch einmal – diesmal energischer. Er ist mir zu schnell, ich lasse ihn ziehen. Schnell hat er 15 sec. Vorsprung. Ich fuehre eine noch etwa fuenfkoepfige Verfolgergruppe an. Pascal ist nicht dabei: wo ist er nur?

Meine erste Zwischenzeit ist sehr gut, rund eine halbe min. schneller als vor zwei Jahren. Und ich fuehle mich noch gut dabei. Meine Verfolger lassen mich ziehen, nur noch der Fuehrende ist vor mir. Davor das Fuehrungsauto und nochmal davor mein Vater. Freue mich, ihn immer wieder zu sehen.

Mein Tritt ist rund, das Rennen macht mir trotz der Anstrengung Freude. Ploetzlich wird der Fuehrende langsamer, ich fahre ihn bald auf. Beschleunige noch leicht – und siehe da: er scheint wirklich nicht mitfahren zu koennen.

AAuch die zweite Zwischenzeit ist gut, inzwischen bin ich rund 40 sec. schneller als vor zwei Jahren. Super, die 70 min. muesste ich schaffen. Langsam verlasse ich den Wald. In einer Kurve kommen mir ein paar Jugendliche auf so einer Art „Spielzeugauto“ entgegen, sie haben ihre Gefaehrte in der Kurve nicht unter Kontrolle und driften mir entgegen. Muss voll abbremsen, was mich aergert und weshalb ich dann auch fluche. Aber Gott sei Dank kann ich ihnen zumindest ausweichen. Weiter geht es. Erreiche das Chalet Reynard – und bin noch schneller geworden, nun 1:40 min. vor meiner Zeit! Und fuehle mich nach wie vor gut. Wenn ich nun noch so schnell fahren kann wie gestern auf diesem Schlussabschnitt, bleibe ich sogar knapp unter 69 min. – bin optimistisch, dass mir das gelingt…

Schaue mich in den folgenden Kehren immer mal wieder um – kann keine Verfolger erkennen – scheinbar habe ich einen grossen Vorsprung. Der Sieg scheint mir heute nicht mehr zu nehmen zu sein. AAber es geht noch um die Zeit, denn ich werde hier nicht mehr zu einem Rennen herkommen – der Aufwand ist doch sehr betraechtlich und grenzwertig gegenueber den von mir selbst postulierten (Nachhaltigkeits-)Zielen. Immer noch habe ich Power, auch nun mitten in der Steinwueste, umgeben nur von Geroell. Ich erinnere mich an den Mistral von vor zwei Jahren – und heute: nur ein laues Lueftchen. So schwach, dass ich auch bei Richtungswechseln nicht erkennen kann, ob ich es nun leichter oder schwerer habe als zuvor. Der Gipfel rueckt immer naeher. Ich bin auch auf diesem Schlussabschnitt noch schneller als zuvor angenommen, inzwischen laufen meine Hpochrechnungen darauf hinaus, dass ich eventuell sogar unter 68 min. bleiben koennte! Also gebe ich auch auf dem letzten km, der nocheinmal steiler ist, Druck auf die Pedale – bis zum Zielstrich – und tatsaechlich: fahre 67:57 min.! Einer meiner schoensten Siege ueberhaupt! Passend dazu ist im Ziel mein Vater, der sich sehr mit mir freut. Leider kann ich mich kum mit ihm unterhalten, da mich immer wieder qndere Leute verschiedene Dinge fragen. AAber ich gebe auch gerne Auskunft, handelt es sich doch auch um genau solche Fragen, wegen denen ich ueberhaupt (noch immer) Rennen fahre – und verschiedenste Menschen anstossen kann, auch ueber andere Themen nach zu denken.

Nach der Siegerehrung fahren xir  bald weiter. Ans Mittelmeer. Leider beginnt es dann zu regnen und zu gewittern, so dass ich meinen eigentlich geplanten Start zur Pyrenaeenueberquerung hinauf zum wildromantischen Port de Pailheres nicht wahrneh,en kann. So bin sogar ich mal froh, dass ich im Auto ueber diesen Pass fahren kann…

Uebernachtung in Ax-les-Thermes.