Bergrennen (Grimpee) L`Alpe d`Huez

Vor zwei Jahren bin ich schon einmal bei dem Bergrennen nach L`Alpe d`Huez gestartet. Es war schlecht organisiert (Verkehr lief weiter, ich hatte mich zweimal verfahren, kurz nach dem Start wurde das ganze Feld noch einmal gestoppt) und meine Form war nicht optimal. Meine offiziell gestoppte Zeit von 46:14 Uhr war eine Minute mehr wert, so dass ich eine Zeit von unter 45 min. für realistisch halte.

Fahre mit Dirk und Daniel Debertin nach dem Frühstück zum Start. Nach der Anmeldung fahre ich noch einmal langsam die ersten 300 Höhenmeter. Eine Unmenge an Autos kommen den Berg herab. Dadurch stinkt es richtig durch die Überhitzung der Bremsen.

Es ist schon warm, am Start 25 Grad. Die Sonne scheint. Es ist windstill. Gute Bedingungen.

Die Steigung ist gut 13 km lang und überwindet in 21 Kehren, die alle jeweils einer Legende der Tour de France gewindmet sind, etwas über 1100 Hm. Den Streckenrekord halten (aus Epo-Höchstzeiten) Marco Pantani (in 37:35 min.) und Lance Armstrong bei einem Einzelzeitfahren (37:36).

Heute sind 215 Teilnehmende am Start. Darunter der Seriensieger Michael Gallego, der schon fast alle wichtigen Bergrennen Frankreichs gewonnen hat. Manche verdächtigen ihn (z.T. sogar ziemlich stark), dass er das nicht nur mit fairen Mitteln erreicht hätte.

Nun geht es los. Dirk hat sich von sich aus bereit erklärt, auf den ersten 600 flachen Metern die Rolle der Lokomotive zu spielen. Das macht er prima, nach gut einer Minute hat er diesen Dienst erledigt und kurbelt nun in seinem Tempo den Berg hinauf. Gleich zu Beginn der Steigung (719 m) rasen wieder Etliche an mir vorbei, vielleicht 15. Wie immer fallen schon nach wenigen hundert Metern Viele wieder laut keuchend zurück. Bis zur ersten Kehre scheint mir bereits die steilste Abschnitt überwunden zu sein, ich bin bereits Achter. Fühle mich gut, bin flott. Vorne hat sich eine Dreiergruppe (u.a. mit M. Gallego) gebildet, die rund 15 sec. vor mir ist. Am Ortseingangsschild von La Garde (980 m) bin ich mit 9 3/4 min. deutlich schneller als ich es mir vorgenommen hat (10 – 10 1/4). Merke auch bereits die Anstrengung. Vielleicht wäre ich doch besser mit 34-25 anstatt mit 34-23 gefahren? Bin inzwischen Fünfter, bald Dritter. Nur noch Gallego und ein Mann im niederländischen Meistertrikot sind vor mir, nach wie vor pendelt deren Vorsprung bei 15 – 20 sec. Nun wird es flacher, wir sind aus dem Wald heraus – und nun ziemlich der Sonne ausgesetzt. Versuche meinen Rythmus beizubehalten, auch wenn ich sicher nicht mehr ganz so viel Druck auf der Pedale habe wie zu Beginn. Der Abstand zu den beiden Führenden verringert sich sogar, an meiner zweiten Zwischenzeit (Kehre 9 auf 1295m) bin ich mit 22:20 min. immer noch unter meiner Vorgabe (22 1/2 – 22 3/4) – und stelle den Anschluss an die Beiden her. Nachdem mir deren Tempo meist einen Tick zu langsam ist, versuche ich mehrfach die Führung zu übernehmen. Gallego möchte das aber ganz offensichtlich nicht und beschleunigt dann immer wieder – bis er wieder in Führung ist. Dann wird er wieder etwas langsamer. Neben ihm zu fahren, duldet der Meister. Der Niederländer fährt betont defensiv. Am Ortseingangsschild „Huez village“ liege ich mit knapp ueber 28 min. noch voll im Zeitplan. Aber es wird mir klar, dass die Unterbietung der 45 min. kein Selbstläufer ist. Plötzlich tritt Gallego voll an, der Niederländer geht mit. Ich lasse die Beiden fahren. Sie werden dann aber bald schon wieder langsamer und ich kann sie wieder schnell auffahren. Langsam geht es ins Finale. L`Alpe d`Huez ist schon gut zu erkennen. An der Abzweigung (es gibt für die letzten knapp 300 Hm zwei Auffahrten in den Ort) liege ich mit 34:50 min. gut. Wenn ich mein Tempo beibehalte werde ich unter 45 min. fahren. Ich bin daher schon sehr zufrieden. Fahre nun häufig neben Gallego. Dieser tritt dann kurz vor der Ortseinfahrt noch einmal voll an. Wieder geht der Niederländer mit, ich lasse beide ziehen. Der Niederländer muss dann aber schnell reißen lassen und wird deutlich langsamer. So überhole ich ihn schnell. Er beißt sich dann an meinem Hinterrad fest. In der Ortsmitte ist Gallego geschätzte 15 sec. vor mir. Ich erkenne, dass ich sicher unter 45 min. bleiben werde. Es wird flacher. Überall sind heute Streckenposten, zusätzlich Markierungen für den richtigen Weg. Ich sehe bereits das Ziel, es geht kurz bergab in einen Kreisel (mit mehreren Schlaglöchern). Fahre daher kontrolliert in den Kreisel, der Niederländer schreit laut und zwängt sich gleichzeitig an mir vorbei. Dafür schreie ich ihm ein „Idiot“ Hinterher, was mir wenige Sekunden später wieder leid tut. Mich hatte aber geärgert, dass wir durch seine Aktion hätten stürzen können! Direkt hinter dem Kreisel ist das Ziel. Ich werde Dritter in 44:20 min. Ziel absolut erreicht. Meine Form ist gut, ich bin dankbar. Vermutlich wäre sogar bei besserer Renneinteilung, gleichmäßigerem Renntempo eine noch bessere Zeit drin gewesen. Ich bin aber sehr zufrieden. Feuere noch Daniel (wird in 47:00 Siebter) und Dirk Debertin (in 54er-Zeit 48.) an.

Nach der Siegerehrung fahren wir weiter und absolvieren noch eine schöne Runde in großer Hitze hinauf nach Montvernier und über den Col de Chaussy (1533 m) – beide Anstiege sind im diesjährigen Programm der Tour de France. Danach fahre ich noch allein über den Col du Grand Cucheron (1188 m) und Col de Champ-Laurent (1116 m).

Wir übernachten bei Brutofentemperaturen in Rumilly, von wo aus wir am nächsten Morgen noch vor dem Frühstück den Anstieg nach Semnoz/Cret de Chatillon (1699 m) fahren.

Die Ergenbisse vom Bergrennen gibt es auf www.sportcommunication.com

Kommede Woche bereits der nächste Höhepunkt: Bergrennen von Bormio auf das Stilfserjoch (Passo Stelvio): www.usbormiese.com

Herzliche Grüße,

Christoph