DM Berg 2015 (Ramberg – Drei Buchen – Lolosruhe)

Liebe RadsportfreundInnen,

seit Jahren hatte ich (anhaltslos) davon geträumt, dass es mal eine Deutsche Bergmeisterschaft an „meiner Kalmit“ gibt.

Vor knapp einem halben Jahr sickerte dann (für mich völlig überraschend) die Nachricht durch, dass die DM in diesem Jahr in der Pfalz stattfindet – wenn auch leider an dem deutlich flacheren Nachbarberg (Drei Buchen + Forsthaus Heldenstein/Lolosruhe). Wäre diese Strecke weit weg, wäre ich aufgrund ihres flachen Profils und der nicht einfach zu fahrenden Zwischenabfahrt erst gar nicht hin gefahren. Aber aufgrund der Nähe war für mich klar, dass ich dort starten „muss“.

Die Strecke kann grob in drei Teile gegliedert werden: vom Start am Bürstenbindermuseum in Ramberg geht es 3km lang bis zu den „Drei Buchen“ 182 Hm bergauf, wobei der mittlere Abschnitt eine rund 1km lange steile Passage aufweist. Es folgt eine knapp 2km lange Abfahrt, bei der 133 Hm wieder „verloren“ gehen. 3 Kurven kennzeichnen diese Abfahrt, wobei v.a. die letzte Kurve unübersichtlich und scharf und von daher schwer zu fahren ist. Das Finale findet auf einem 5,8km langen Schlussanstieg (mit 290 Hm) zur „Lolosruhe“ statt, wobei die letzten 3,7km etwas steiler (noch rund 240 Hm) sind.

Meine Taktik ist daher klar: ich will von Anfang bis Ende immer zügig fahren – am besten bereits am Steilstück zu den Drei Buchen möglichst viele Mitfahrer zurück lassen, damit ich die Abfahrt in Ruhe angehen kann. Anschließend möglichst in der ersten Gruppe das flachere Stück im Modenbachtal fahren und auf den letzten 3,7 km ein so hohes Tempo anschlagen, dass mir möglichst wenige Kollegen folgen können. Ob ich auf dieser für mich ungeeigneten Strecke eine Chance haben werde, meinen deutschen Seniorenmeistertitel vom Vorjahr (auf der schweren Strecke in Berchtesgaden) zu verteidigen, erscheint mir selbst ungewiss. Aber meine Form stimmt (bin die Strecke am Mittwoch in 23:38 min. flott abgefahren) – und motiviert bin ich als Lokalmatador auch.

Am liebsten wäre ich bei den Herren gestartet, aber aufgrund meiner „Senioren-Lizenz“ ist das leider nicht möglich (seit wenigen Tagen weiß ich aber, dass ich offenbar im kommenden Jahr einfach eine Männer-Lizenz lösen kann und dann auch bei den Männern starten dürfte). Die Herren starten auch zunächst im Einzelzeitfahren und werden ihre Meister dann in einem zweiten Rennen nach der Gunderson-Methode ausfahren.

Bei den Senioren findet dagegen nur ein „Massenstartrennen“ statt. In meiner Altersklasse „Senioren 2“ (1974 – 1965) sind 33 Rennfahrer gemeldet, Start um 12:45 Uhr.

Vom Wetter her ist es heute fast 20 Grad kälter als letzten Sonntag, zur mittäglichen Startzeit nur 14 Grad im Tal. Aber ich bin schon (v.a. wegen der Abfahrt) sehr froh, dass es trocken zu bleiben scheint. Der Wind ist recht lebhaft, aus westlichen Richtungen (im Flachstück von vorne).

In der Anfahrt kurz vor Ramberg merke ich, wie unterschiedlich ich zum durchschnittlichen Rennradfahrer zu sein scheine: ich lese herab gefallene Äpfel auf, viele Rennfahrer in ihren top gestylten Klamotten und Rädern scheinen nur auf ihre Rennen fokussiert zu sein. Teambusse und Radrollen (zum Aufwärmen) fallen mir auf. Die Gespräche in der Halle drehen sich (soweit ich es mitbekomme) nur um Radsport. Immerhin erfahre ich vom Veranstalter und auch vom BDR (Bund Deutscher Radfahrer), dass sie die DM gerne auf der Kalmit veranstaltet hätten, sie die Strecke aber nicht den ganzen Tag gesperrt bekommen hätten, zumal gestern der Kalmit-Klappradcup die Kalmitstraße ja auch schon über Stunden blockiert hatte. Aber die Offiziellen sehen das als Vorteil: hier hätten eben nicht nur die Bergflöhe eine Chance, sondern es brauche einen kompletten Rennfahrer, der auch abfahren und flache Abschnitte schnell fahren kann…

Ich fahre mich warm über Eußertal zum Taubensuhl, eine schöne Straße im Wald, die auch auf über 500 m ansteigt.

Die Ruhe des Waldes empfinde ich als sehr angenehm.

Es ist so kühl, dass ich die Armlinge anlasse. Die Beinlinge und Handschuhe ziehe ich aber aus. Fahre nun nochmal 2km flott. Als ich dann 3 min. vor Rennbeginn in den Startbereich komme, stehen schon alle Starter da, ich muss mich hinten einreihen. Bei einem Starter gibt es ein Problem (mit seinem Transponder?), daher können wir erst gut 30 sec. verspätet starten. Direkt nach dem Start nimmt das Feld ein sehr hohes Tempo auf. Mein Vordermann kommt allerdings überhaupt nicht in seine Klickpedale, fährt aber in Zeitlupentempo von links nach rechts und umgekehrt, so dass ich erstmal nicht vorbei komme. Ich bin ein bisschen ärgerlich und finde mich an drittletzter Position des gesamten Feldes wieder. Bald wird unser Feld aber langsamer und noch im Dorf kann ich an allen vorbei fahren. Cosmas Lang führt das Feld an. Ich rufe ihn schon ein paar Meter, bevor ich ihn überhole. Als ich ihn überhole, kann er auch schnell an mein Hinterrad springen. Er hat mein Signal super verstanden. Schon wenige hundert Meter später übernimmt er entschlossen die Führung des Feldes. Seine Sprache ist klar: „lass uns die Sache zusammen machen!“ Ja, gerne!

Nach dem letzten Haus des Dorfes kommt der vermutlich steilste km der gesamten Rennstrecke. Ich spanne mich vor das Feld und fahre mit viel Power vorweg. Als die Steigung ein wenig nachlässt, greift der Fahrer mit der Nummer 17 ganz entschlossen an. Niemand kann ihm folgen. Ich versuche ihn aber in Reichweite zu behalten. Komme ihm nach einigen hundert Metern auch wieder leicht näher und kann ihn noch 500 m vor den „Drei Buchen“ überholen. Lege das große Blatt auf und fahre mit Druck über die erste kleine Passhöhe. Sehe, dass nur noch drei Fahrer an meinem Hinterrad hängen – Cosmas ist dabei. Ich lege meine größte Übersetzung auf und beschleunige auf der Abfahrt. Aber nicht mit letzter Entschlossenheit. Bin daher überrascht, dass es bis nach der ersten Kurve dauert, dass mich einer überholt. Es ist wieder der Mann mit der „17“. Er nimmt nun auch echte Abfahrerposition ein. Ich kann ihm nicht ganz folgen, aber der Abstand wächst nicht sehr stark. Die beiden Anderen bleiben sogar hinter mir. Die scharfe Linkskurve bekomme ich ziemlich gut. Abfahrt gemeistert, nun geht es richtig los. Cosmas übernimmt gleich die Führung, ich wechsle ihn wieder ab. Wir sind nach wie vor zu Viert, aber nur Cosmas und ich führen unsere Gruppe an. Im Wald steigt es etwas an, dann geht es sogar noch einmal leicht bergab.

Die letzten 3,7km. Nur noch bergauf. Ich drücke nun entschieden auf das Tempo. Noch drei km. Beim Blick auf mein Hinterrad merke ich, dass noch immer alle Drei bei mir sind. Als vermutlich schwächster Sprinter würde ich im Zielsprint wohl nur Vierter werden. Plötzlich sehe ich, dass ein Loch aufgegangen sein muss. Bald darauf blicke ich mich um: ja, tatsächlich sind alle drei Verfolger rund 30 m zurück. Realistisch gesehen kann ich mich nun nur noch selbst schlagen, oder? Deutscher Meister an dieser flachen Strecke inkl. Abfahrt?! Ich ziehe mein Tempo durch. 2km vor dem Ziel scheinen mir die Drei aber noch einmal näher zu kommen. Fühle Dich noch nicht zu sicher, Christoph! Ich will nun auf keinen Fall überziehen, muss das Tempo aber hoch halten. Als ich mich wieder umdrehe, sehe ich, dass Cosmas nun solo Zweiter ist! Super! Und die Anderen sind nun richtig zurück gefallen. Cosmas fährt stark, bleibt recht nah (50 m?) an mir dran. Noch 500m. Es wird reichen. Die letzte Kurve, den Moderator kann ich bereits hören. Im Ziel – mit ca. 22:25 min. Klasse Zeit für mich hier! Und tatsächlich gewonnen! Mit 8 sec. vor Cosmas. Auch wenn wir für unterschiedliche Vereine starten, empfinde ich es ein bisschen wie ein Doppelsieg. Cosmas scheint es ähnlich zu gehen. 

Im Ziel sprechen mich einige Leute an. Mir ganz Unbekannte, aber auch ein paar alle Weggefährten (noch aus Laufzeiten). Glückwünsche auch von ein paar Vereinskollegen vom RSC Neustadt. Noch ein Interview mit dem Moderator, dann mit Cosmas über die Weinstraße nach Ramberg. Dort etliche weitere nette Gespräche, vom Rheinpfalz-Redakteur über Radsportvereinskollegen und Christian Dengler (der heute auch für www.gutesleben-fueralle.de gestartet ist) bis hin zu Reinhold Schindler, mit dem ich schon viele schöne und auch erfolgreiche Lauferlebnisse hatte und den ich auch als Mensch schätze. Es freut mich, ihn nach Jahren so überraschend hier zu treffen.

Siegerehrung. Sehr formal. Leider erfahren wir auch, dass unsere offiziellen Zeiten schlechter sind als in Realität. Denn die halbe Minute, die wir am Start noch auf den einen Kollegen gewartet haben, lief die Uhr beireits. Leider kann das offenbar auch nicht mehr korrigiert werden. So sehen unsere Zeiten deutlich schlechter aus, als sie waren.

Dem lokalen Veranstalter (Radsport-Bezirk Südpfalz) gebührt aber ein großes Lob: mit sehr hohem ehrenamtlichen Aufwand hat er eine Veranstaltung aus dem Boden gestampft, immer sehr engagiert und freundlich.

Auf dem Heimweg treffe ich noch einige Rennfahrer der Männer-Kategorie. Mit meiner realen Zeit wäre ich Fünfter oder Sechster bei den Männern gewesen. Damit könnte ich auf dieser für mich ungeeigneten Strecke sehr zufrieden sein. Das bin ich aber auch so.

Mehr Infos zum heutigen Rennen auf www.radsport-suedpfalz.de/dm-berg/

Die kommenden beiden Wochenenden bin ich nun andersweitig verplant, so dass ich frühestens am 27.9. bei www.maroder-asphalt.de im nordöstlichen Schwarzwald (zwischen Pforzheim und Calw) wieder antreten kann. In den kommenden Tagen (wenn es wieder etwas wärmer ist) möchte ich an der Kalmit eine schnelle Stoppomatzeit fahren.

Am 3.10. starte ich (brauchbares Wetter und noch immer gute Form vorausgesetzt) bei dem BZF zur Taufsteinhütte (www.tgv-schotten.de) und am 10.10. absolviere ich mein erstes MTB-Rennen von Waldkirch zum Kandel (10,5km mit 800 Hm; vom Skiclub Kandel organisiert).

Wer in den nächsten beiden Wochen ein Bergrennen in der Nähe fahren will, kann an folgenden Orten eines finden:

13.9., 14 Uhr: Pfedelbacher Bergzeitfahren: www.spitzkehre-online.de (erstes „faires“ Radrennen Deutschlands)

13.9., 10 Uhr: BZF Neuweier – Yburg: www.rsv-yburg-steinbach.de

19.9., 14 Uhr: BZF Ebernsteinburg: www.rsg-ried-rastatt.de

Herzlich,

Christoph