Erstausgabe Gurnigel Panorama Classics

Liebe RadsportfreundInnen, 

am Sonntag war die Erstausgabe der www.gurnigel-panorama-classics.ch.

Ich hatte davon im Internet erfahren. Da ich an diesem Wochenende Zeit hatte und mir der Austragungsmodus sehr gut gefiel und zudem mein Vater kurzfristig auch Lust hatte, mit mir gemeinsam dorthin zu fahren, machten wir ein „Vater-Sohn-Wochenende“.

Der Gurnigel bietet zwischen Thun und Fribourg (ca. 30km südlich von Bern) einen Voralpenpass mit knapp 1600 m Höhe, der von drei Seiten befahren werden kann. Die Veranstaltenden boten drei Strecken an, aus denen die Teilnehmenden aussuchen konnten, ob sie den Gurnigel ein-, zwei- oder dreimal fahren wollen. Ich entschied mich für die dreifache, mein Vater für die einfache Gurnigelstrecke. Zeitnahme ist dabei jeweils nur vom Fuß bis zum Gipfel des Passes (ich hatte also drei Bergzeitfahren). Den Rest der Strecke kann man/frau also in aller Gemütlichkeit abfahren bzw. sogar Pausen machen.

Samstags ist die Wetterprognose je nach Dienstleister zwischen bescheiden (Sonne, Wolken, Regen und leichte Gewitter) bis katastrophal (durchgehend Regen mit ständiger Gewittergefahr). Nach längerem Hin und Her sowie einem Telefonat mit der Verantwortlichen vor Ort, entscheiden wir uns doch für die Anreise.

Im Urlaub konnte ich den Gurnigel einmal mit dem Rad abfahren (von Rüti), heute fahre ich am Abend noch die beiden anderen Strecken (von Sangernboden und Riffenmatt) ab. Übernachtung in Spiez: just wir (mein Vater als Veganer, ich als Vegetarierer) im Ausbildungszentrum der Schweizer Fleischereiwirtschaft. Anfangs der Nacht ein kräftiges Gewitter.

Morgens ist das Wetter besser als gedacht, es scheint sogar recht viel die Sonne – bei milden Temperaturen. Die Straßen sind halbwegs abgetrocknet. In Gwatt (5km südlich von Thun) holen wir unsere Startunterlagen ab. Dabei bekommen wir die aktuelle Wetterprognose, dass es bis ca. 14 Uhr trocken bleiben soll. Start ist von 7 – 9 Uhr möglich. Wir machen uns – nach einem zweiten Frühstück – um 8:20 Uhr auf den Weg. Die meisten Teilnehmenden der leider ohnehin nur 144 Gemeldeten sind da schon unterwegs, von daher radeln wir oft alleine bzw. treffen auch nur ab und an weitere Teilnehmende.

Nach einer halben Stunde durch typisches Voralpenland mit saftig grünen Wiesen, vielen Kühen, kleinen Dörfern, herrlichem Alpenpanorama (das allerdings zunehmend in den Wolken verschwindet) beginnt es leicht zu regnen. Bald zieht es richtig zu und der Regen wird deutlich stärker. Schnell ist es ringsherum so dunkel, dass klar ist, dass hier auch ein Unterstellen Nichts bringen würde, da dieser Niederschlag lange andauern wird. Ich stelle mich auf durchgehenden Dauerregen ein. Ich ziehe meine Regenjacke an. Dennoch bin ich schnell richtig nass, von oben und unten. Mir wird kalt – und kälter. Nach gut einer Stunde bin ich bereits durchnässt und fröstelnd am Start der ersten Zeitnahme in Rüti. Diese Strecke ist 8,7km lang und überwindet 770 Höhenmeter. Es geht gleich richtig steil los. So komme ich zumindest wieder auf Temperatur. Irgendwie habe ich heute bei diesen Bedingungen nicht das richtige Gefühl, ob mein Tempo angemessen ist. Der Regen lässt nicht nach, der Wind kommt meist von vorn und die Luft wird in der Höhe noch immer kälter (oben unter 10 Grad). Ich überhole ein paar Radfahrer und erreiche angesichts der Bedingungen in einer noch passablen Zeit von 31:21 min. die Passhöhe. Hier gibt es ein kleines (offenes) Verpflegungszelt. Ich esse und trinke ein wenig, kühle aber hier oben noch mehr aus. Daher begebe ich mich relativ schnell – schlotternd – auf die Abfahrt. Ich bremse aus Sicherheitsgründen noch mehr als gewöhnlich. Für mich ist nun auch klar, dass ich bei diesen Bedingungen nicht die ganze vorgeschlagene Strecke bis zum nächsten Aufstieg fahre, sondern direkt hinuter nach Sangernboden, von wo aus ich das zweite Zeitfahren in Angriff nehmen werde. Unten angekommen, bin ich nun komplett unterkühlt. Ich versuche mich wieder warm zu fahren. Aber trotz Anstieg werde ich einfach nicht warm. Bin eben komplett durchnässt. Gehe in ein Restaurant und frage, ob ich mich ein wenig aufwärmen kann. Dies wird mir genehmigt, allein es hilft mir wenig. So gehe ich frierend an den Start des zweiten Bergzeitfahrens (was bliebe mir auch anderes übrig?). Die Strecke ist rund 12km lang und beinhaltet 630 Höhenmeter. Flache Passagen wechseln mit steileren Abschnitten. So muss ich häufig schalten. Ich kann allerdings nicht mehr mit den Fingern vom kleinen auf das große Blatt schalten, so kalt sind meine Finger. Ich muss die ganze linke Hand dafür nutzen. Nach einer Weile wird es mir wieder wärmer. Meine Beine fühlen sich aber nicht (mehr) gut an. Kurzzeitig hört es auf zu regnen, ein schönes Gefühl. In den flacheren Passagen versuche ich Tempo zu machen. Überhole auch wieder einige Radfahrer. Nach 32:22 min. – nur 3 min. schneller als gestern Abend – bin ich wieder oben auf der Passhöhe. Wieder ein bisschen was essen und trinken, dann wieder auf die Abfahrt begeben. Nach nur gut 1 km kommt mir mein Vater entgegen, der nun den Gurnigel von Riffenmat aus hoch gefahren ist. Ich drehe um, fahre mit ihm (erneut) zur Passhöhe. Wir tauschen uns über unser Erleben in den letzten rund drei Stunden aus. Dann fahre ich endgültig nach Riffenmat hinab. Es hat inzwischen wirklich aufgehört zu regnen. Zeitweise „lugt“ sogar die Sonne hervor. Die Schleier vor der Voralpenkulisse lüften sich, Nebeldampf scheint empor, satte Farben treten im Sonnenlicht hervor: beeindruckende Landschaftsimpressionen.

Die Abfahrt war schon bei weitem nicht mehr so kalt und unangenehm wie zuvor. Dennoch muss ich mich in Riffenmat noch ein bisschen warm fahren. Dann schon geht es in die dritte Steigung des Tages, die mit Zeit erfasst wird. Hier sind es auf rund 13 km 640 Höhenmeter, wobei die Höhenmeter sehr ungleich verteilt sind: auf den ersten 4km geht es schon rund 400m hinauf. Ich spüre, dass meine Beine (v.a. die Oberschenkel) nicht mehr so fit sind. Ich „beiße“ ein wenig, allerdings ohne mich zu quälen. Die immer häufiger zu spürende Sonne tut richtig gut. In den folgenden Flach- und z.T. sogar Bergabpassagen lege ich natürlich das große Blatt auf. Manche Kurven sind so eng, dass ich vor diesen sogar leicht abbremse. Die letzten 2,5km sind identisch mit der Strecke, die ich schon beim zweiten Bergzeitfahren (von Sangernboden) gefahren bin. Die letzten 1000 m steigt es nur noch schwach, auch hier fahre ich wieder eine hohe Übersetzung (50-19). Nach 34:33 min. habe ich zum dritten Mal die Gurnigel-Passhöhe erreicht und meinen Wettbewerb eigentlich abgeschlossen. Ein letztes Mal suche ich die Verpflegungsstelle auf und verabschiede mich von den netten, aber für mich z.T. kaum verständlichen (Schwitzerduitsch sprechenden) einheimischen HelferInnen. Zurück über Rüti und Wattenwil ins Gwatt-Zentrum, wo das offizielle Ziel ist. Treffe meinen Vater, wir essen jeweils eine große „Pasta-Party-Nudelportion“.

Bei der schlichten Siegerehrung erfahren wir, dass ich den „dreifachen Gurnigel“ mit über 18 min. Vorsprung gewonnen habe. Ich werde noch um ein Interview für die „Berner Zeitung “ gebeten.

Ergebnisse und weitere Infos unter www.gurnigel-panorama-classics.ch

Aufgrund von beruflichen und familiären Terminen sowie um meinen ökologischen Fußabdruck nicht ins Unermessliche zu steigern, werde ich erst wieder am 9. September an den Start eines Bergrennens gehen. Vorher steht nur noch der Kalmit-Klapprad-Cup an „meiner“ Kalmit unter dem für mich verpflichtenden Motto „Wer`s klappt, werd seelisch“ am 1.9. auf der Agenda. Bis dahin werde ich aber noch etliche heimische Höhenmeter absolvieren.

Herzliche Grüße,

Christoph