Höhenmeterweltrekord – Zweiter Tag

Die Moderation auf der Bühne geht länger als im Vorfeld gedacht, da auch um Mitternacht noch über 100 Leute allein am unteren Wendepunkt ausharren. Noch immer herrscht hier tolle Stimmung, konzentriert und dennoch ausgelassen. Die Jugendlichen in der Mitte der Strecke halten zu meiner Überraschung ebenso aus. Jede Runde werde ich erneut angefeuert. Unser Team versorgt mich wie ein Kind, um das man/frau sich Sorgen macht. All meine Essens- und Getränkewünsche werden erfüllt. Primär ernähre ich mich von zwei Breis: der eine besteht aus Bananen (die von den oberrheinischen Weltläden gesponsert wurden), Äpfeln und Haferflocken. Die Alternative aus Kartoffeln und ein bisschen Gemüse, v.a. Karotten. Eine weitgehend basische Ernährung, was bei dieser Extrembelastung besonders wichtig ist.

Zu Beginn von Runde 27 (0:38 Uhr) steigt Sebastian Retzlaff, aktueller deutscher Vizemeister im Duathlon, in die Aktion ein. Er hat von dem Rekordversuch schon vor Monaten gehört und war dann in Mailkontakt mit mir getreten. Beide hatten wir bei den mails offenbar eine nicht geringe Übereinstimmung in der Sicht vieler Dinge des Lebens entdeckt. Nun aber sehen wir uns zum ersten Mal. Sebastian war mit seiner Familie am gestrigen Nachmittag und Abend auf zwei Hochzeiten und kommt nun direkt von dort hierher, um mir moralische Unterstützung zu bieten. Wir erzählen viel. Und entdecken dabei noch weitere Gemeinsamkeiten, u.a., dass wir beide unsere Diplomarbeiten über Doping im Leistungssport geschrieben haben und beide entschiedene Verfechter eines dopingfreien Leistungssportes sind. Meine Zeiten werden ein klein wenig langsamer, liegen mit nur knapp über 11 min. im Durchschnitt aber immer noch weit unter dem notwendigen Durchschnittstempo für den Weltrekord (12:53). Die totale Lockerheit der Anfangsstunden ist allerdings nicht mehr in Gänze vorhanden.

Um 2:50 Uhr steht Klaus Freyburger am oberen Wendepunkt. Ich hatte ihm gesagt, dass mir eine Begleitung vermutlich von 3 – 5 Uhr am sinnvollsten erschiene. So legte er sich gestern abend nach seinen Anfangsrunden schlafen. Sogar vor dem Wecker wachte er wieder auf und war nun schon kurz vor der vereinbarten Zeit wieder einsatzbereit. So verabschiedet sich Sebastian bald, er geht nun heim: wenigstens noch ein paar Stunden schlafen, bevor ihn seine Kinder wieder wecken werden. Er wird im Laufe des Tages wieder kommen.

Kurz vor 3:04 Uhr habe ich bereits 7020 Höhenmeter absolviert, es lief bisher wunderbar und ich habe dadurch bereits einen Vorsprung von über einer Stunde auf die „Marschtabelle“ heraus gefahren. Irgendwie gibt mir das ein gutes Gefühl, dass ich auch einen Einbruch erleben darf bzw. auch mal eine etwas längere Pause machen kann und dann dennoch der Weltrekord noch nicht verloren sein muss.

Klaus ist ein ruhiger Mensch. Mir ist das nun auch sehr angenehm, denn langsam aber sicher fallen mir die Runden schwerer – und ich werde auch ein wenig langsamer. Wir pendeln uns bei rund 11 ½ min . pro Runde ein. Um 5:09 Uhr habe ich nach 9:09 Stunden bereits phantastische 9000 Höhenmeter absolviert. Die Nacht, vor der ich mich so gefürchtet habe, ist gut vorbei gegangen, wir sind bereits in der fortgeschrittenen Dämmerung. Gut, dass ich so spät gestartet bin und entsprechend frisch in die Nacht gehen konnte.

Aber kaum ist die Nacht vorbei, werden meine Rundenzeiten deutlich langsamer. Die erste Krise ist da – innerhalb von nur drei bis vier Runden. Fast spontan mache ich nach Runde 54 eine erste richtige Pause: mein Betreuungsteam ist hellwach. Ich bekomme zwei Stühle hingestellt, Decken umgewickelt und eine riesige Schüssel mit der Bananen-Apfel-Haferflocken-Mischung. Ich esse Einiges. V.a. Christian Englert ist glücklich darüber, da er die ganze Zeit schon den Eindruck hatte, dass ich eventuell zu wenig Nahrung zu mir nehme. Alle schauen mir ganz genau beim Essen zu, jede Bewegung von mir wird gedeutet. Und natürlich bin ich schon ganz schön ausgezehrt. So beginne ich auch stark zu frieren und ziehe nun Beinlinge an. Zudem ein Langarmtrikot und eine Fleece-Jacke noch drüber. Plötzlich sagt mir jemand, dass ich nun schon seit 17 min. Pause machen würde. Ich erschrecke, hätte die Zeit auf 5 min. geschätzt. So wird es Zeit, bald wieder aufzustehen. Mir ist sehr kühl. Meine Lippen seien ganz blau. Ja, das ist nicht mein Wetter, gerade für solche Ausdaueraktionen auf dem Rad brauche ich Hitze. Aber die werde ich heute nicht bekommen. Ich hoffe, dass ich mich dennoch wieder fangen kann. Auf der Abfahrt schlottere ich am ganzen Leib. Viel stärker hätte es nicht sein dürfen, sonst hätte ich nicht mehr sicher abfahren können. Ich bin froh, als es wieder hoch geht. Langsam kommen die Lebensgeister wieder in mich zurück. Immerhin kann ich meine Rundenzeiten für die nächsten zweidreiviertel Stunden konstant zwischen 12:03 und 12:41 min. halten. Dann werde ich wieder langsamer und fahre in Runde 68 meine erste Rundenzeit in über 13 min. So ist in Runde 70 wieder ein „Boxenstopp“ notwendig, diesmal aber nur von gut 5 min. Dauer. Endlich kommt langsam die Sonne raus und beginnt mich ein klein wenig zu wärmen. Dennoch ist die erste Abfahrt nach der Pause für mich subjektiv wieder sehr kalt.

Auf dem Rad rechne ich immer, mit welchen Rundenzeiten ich letztlich welche Höhenmeter schaffen werde. Aber letztlich ist so eine 24-Stunden-Aktion immer schwer vorhersehbar, denn es können unvermutet tiefe Täler kommen. Nie ist dabei ganz sicher, ob ich aus dem Tal auch wieder heraus komme. Deshalb ist eine Prognose mit vielen Unsicherheitsfaktoren behaftet. Umso spannender ist das Tippspiel der oberrheinischen Weltläden, bei dem man/frau die nach 24 Stunden erreichten Höhenmeter meines Rekordversuchs tippen kann. Umso später im Verlauf des Rekordversuchs getippt wird, umso teuerer ist der Wetteinsatz: beispielsweise betrug der Wetteinsatz vor Mitternacht nur 1 €, zwischen 16 und 17 Uhr wird er dann 10 € betragen.

Leider bekomme ich weder von diesem Tippspiel noch von dem anderen Begleitprogramm viel mit. Die morgendlichen Gottesdienste (u.a. ein Taize-Gebet), thematisch zur Aktion gestaltet, finden in der nahen Kirche des früheren Klosters „Himmelsporte“ statt. Um all das hat sich sehr engagiert der hiesige Gemeindereferent Michael Kleiner gekümmert, ebenso hat er Mitglieder seiner Pfarreien – neben den PfadfinderInnen/MinistrantInnen – motiviert, dass sie einen Imbissstand für die Zuschauenden machen, wovon der gesamte Erlös an das Misereor-Projekt gehen wird. Zahlreiche Lebensmittelspenden von örtlichen Geschäften helfen, dass dieser Erlös hoch ausfallen wird. Daneben hat ein EINE-Welt-Cafe 24 Stunden geöffnet, verkauft neben fair gehandelten Waren auch Kuchen und Waffeln. Der Erlös wird ebenso komplett an Misereor abgegeben. Zudem ist noch der örtliche Radhändler hier und betreibt einen Stand. U.a. hat er ein Rad so eingestellt, dass die Zuschauenden mit der Wattzahl fahren können, die ich 24 Stunden den Berg hochfahren muss, um den Weltrekord zu schaffen. Die Standbesucher können dann probieren, wie lange sie diese Wattzahl treten können.

Stündlich gibt es eine Präsentation zum Peru-Projekt. Und ganz wichtig ist die Moderation mit Benjamin Pütter (Misereor) und meinem Kollegen Thomas Sartingen (keb, Speyer). Abwechselnd interviewen sie viele Leute, informieren über den aktuellen Stand und auch den tieferen Hintergrund der Aktion. Dazwischen wird von unterschiedlichsten Gruppen Musik gespielt.

Kurz vor 13 Uhr kommt wie geplant ein Anruf aus der Gegend von Heidelberg: Wolfgang Hoffmann vom TV Mauer ruft nach dem Finale des Bergzeitfahrens am Neckarhäuser Hof auf unserer Bühne an, um zu berichten, dass sie bei ihrer Veranstaltung viel an den Rekordversuch hier denken, dass sie auch eine Spendenaktion im Rahmen ihrer Veranstaltung für das Misereor-Projekt in Cajamarca durchgeführt haben. Diese Solidarität mit dem Rekordversuch ist ein wunderbares Beispiel für viele andere Menschen und Gruppen, die rund um den Erdball solidarisch sowohl hinter den Menschen in Peru und an anderen marginalisierten Orten unserer Erde als auch hinter mir und uns allen hier vor Ort stehen. Diese Verbindungen stärken mich und unsere ganze Veranstaltung, geben ihr auch ein besonderes Flair.

Um 13 Uhr beginnt die Guggemusik auf der Bühne den schon wieder sehr zahlreichen ZuschauerInnen am untern Wendepunkt einzuheizen.

In der Mittagszeit gesellt sich ein Radfahrer zu mir, den ich nicht kenne. Er dreht etliche Runden mit mir und mit der Zeit stellt sich heraus, dass er Thorsten Wischer heißt, Arzt in einer Baseler Klink ist und in dieser Funktion das Cervehlo-Team betreut, von dem er auch ein Rad fährt. Er erzählt wie vorher auch schon Sebastian Retzlaff, dass dies eine tolle Trainingsgegend sei. Aber den Rührberg würden die Radfahrer der Region nur sehr selten fahren, da er zu steil sei und zu viel Autoverkehr herrsche. Nun aber – bei abgesperrter Straße – macht es auch Thorsten und Sebastian richtig Spaß, hier zu radeln, besonders mit diesem unglaublichen Publikum, das auch sie so begeisterungsfähig empfinden wie noch bei keiner Sportveranstaltung, die sie je mitgemacht haben.

Ich bin schlapp und kann nicht viel mit Thorsten reden, nehme aber alles wahr. In den Mittagsstunden kann ich mit immer wiederkehrenden 12min.-Rundenzeiten meinen Vorsprung auf die Weltrekordsollzeiten einigermaßen halten, obwohl ich in der 85. Runde eine kurze Pause und nach der 93. Runde eine 11 min.-Nudelmittagsessenspause einlege. Ich hatte mich stark auf die Nudeln gefreut, hatte mir eine kräftige Käsesoße dazu gewünscht, aber leider war der Koch wohl der Meinung, dass ich fettarm essen solle, so dass ich trockene Nudeln serviert bekam. Aber ich versuche mich damit zu trösten, dass viele Menschen in den Ländern des Südens, für die ich mich hier einsetzen möchte, auch über solch eine trockene Nudelportion sehr froh und dankbar wären. Also esse ich meine Nudeln schnell auf, trinke dazu ein gutes alkoholfreies Hefeweizen und fahre dann wieder weiter. Es folgen die langsamsten Rundenzeiten, rund ein Dutzend Mal bleibe ich über 13 min. Es fällt mir nicht leicht, immer wieder diesen steilen Anstieg hoch zu fahren. Runter schalten kann ich auch nicht mehr, ich fahre ja schon seit der 2. Runde auf meiner kleinstmöglichen Übersetzung. Es ist die Phase, von der ich vorher schon schrieb: „wenn ich mich irgendwann am Anstieg quälen werden muss, werde ich an das viel größere und nicht nach 24 Stunden abstellbare Leid vieler Menschen in den materiell ärmeren Ländern denken, zum Beispiel an die vom Goldabbau betroffenen Menschen in der Region Cajamarca (Peru)“.

Für mich gibt es in dieser nicht ganz einfachen Zeit aber auch immer wieder Lichtblicke: z.B. steigt in Runde 95 Christian Thörner ein, den ich beim Transalp kennen und schätzen gelernt habe. Nach Runde 98 habe ich meinen deutschen Rekord vom Vorjahr mit 17.640 Höhenmetern überboten und es bleiben mir nun noch 4:02 Stunden, in ganz neue Höhenmeterdimensionen vorzudringen. Ansonsten wird die Stimmung an der Rennstrecke noch besser: der untere Wendepunkt („das Stadion“) füllt sich mehr und mehr, inzwischen sind bereits wieder mehrere Hundert allein an dieser Stelle. Nach und nach kommen aber auch immer mehr Menschen an den Rest der Strecke. Sie alle, die mich schon seit Stunden ganz selbstverständlich und völlig stimmig mit „Christoph“ anfeuern, selbst, wenn sie mit mir noch nie gesprochen haben, leiden mit mir mit und wollen mich am liebsten die Strecke hinauf jubeln. Ich kenne inzwischen viele Gesichter, etliche von ihnen haben fast ohne Pause an der Strecke ausgeharrt und mich immer wieder angefeuert und ermutigt. Mit manchen hatte ich immer wieder kurze Wortwechsel. Vielen habe ich auch meinen Respekt ausgesprochen, dass sie solch große Ausdauer zeigen und unglaublich lange ausharren und mich immer wieder unglaublich begeistert anfeuern. Manche stehen immer an der gleichen Stelle, einige ganz allein, andere in Gruppen. Schon von weitem bekomme ich applaudiert. Oder gesungen. Besonders imponiert mir der geschätzt neun Jahre alte Claudio, der seit Stunden mutterseelenallein am immer gleichen Ort nach rund einem Drittel des Anstiegs steht und der mir bei jeder Auffahrt ein immer neues selbst gedichtetes Lied singt, das sogar noch immer auf meine Situation passt. Nach wie vor sind die PfadfinderInnen sehr aktiv, auch sie singen häufig ein selbst gedichtetes Lied auf eine bekannte Melodie. Weiter oben stehen mehrere Männer und Frauen, die mich in jeder Runde enthusiastisch motivieren und oft rund 200 m wie bei der Tour de France hinter mir und meinen inzwischen mit eingestiegenen Radbegleitern hinterher laufen und uns auch dabei anfeuern – bis sie keine Luft mehr haben. Ab der 100. Runde wird mir die Rundenzahl mit Kreide auf die Straße aufgemalt. Vermehrt zähle ich nun auch die verbleibenden Runden bis zum Weltrekord. Für die letzten 10 Runden habe ich über drei Stunden Zeit, da kann normalerweise Nichts mehr schief gehen. Meine Zeiten sind zwar mit über 13 min./Runde recht langsam, aber noch absolut „im grünen Bereich“. Kurz entschlossen mache ich nach der 103. Runde allerdings noch einmal eine Pause, diesmal aber nur 4 min. Ich bin nun entschlossen, die verbliebenen 2:50 Stunden durchzufahren. Die 104. Runde ist mit 13:46 min. die langsamste seit Beginn. Der Weltrekord kommt dennoch näher, vorsichtige Euphorie kommt auf. Von Runde zu Runde werde ich etwas schneller, fahre endlich auch mal wieder 12er-Zeiten. Und mir geht es dennoch besser. Ich grüße die Zuschauenden am Straßenrand wieder alle, unten „im Stadion“ klatsche ich jetzt jede Runde am Beginn des Anstiegs alle in der ersten Reihe Stehenden ab. Die Stimmung ist nun kurz vor dem Siedepunkt. Inzwischen fahren einige Radfahrer mit mir mit: Sebastian Retzlaff und Thorsten Wischer sind wieder gekommen, Christian Thörner ist noch immer dabei, Heinrich, ein offenbar sehr guter Marathonfahrer ebenso, und aus unserem Betreuungsteam Christian Englert, Johannes Beck, Lienhart Troyer und nicht zuletzt der famos fahrende Klaus Freyburger, der in den 24 Stunden über 60 Runden zurück legt. Es ist unglaublich, wie diese seit nicht einmal 24 Stunden laufende Veranstaltung Verbindungen schafft: Menschen, die ich vor einem Tag noch nicht einmal gesehen habe, scheinen mir jetzt schon vertraut, als wären sie langjährige WegbegleiterInnen. Das betrifft manche ZuschauerInnen wie auch in besonderem Maße die mich begleitenden Radfahrer. Toll!

Der Weltrekord kommt näher und näher: noch drei, noch zwei, noch eine Runde. Kurz vor der Mitte der 112. Auffahrt ist der Weltrekord dann geschafft! Fast alle mich begleitenden Radfahrer klatschen mich ab und gratulieren mir. Es bleibt noch exakt eine Stunde Zeit, um die neue Rekordmarke entsprechend deutlich in die Höhe zu schrauben. Am oberen Wendepunkt bilden alle Zuschauenden gemeinsam mit dem Betreuungsteam ein Spalier.

Die 112. Runde ist die erste Runde seit 60 Durchgängen (Runde 52), die ich wieder unter 12 min. fahre. Wenn ich dieses Tempo weiter fahre, schaffe ich mindestens 116 Runden. Wenn ich es noch steigern kann, kann ich auch noch die 117.Runde angehen und vielleicht sogar noch die nächste Schallmauer von 21.000 Höhenmetern durchfahren. Diese Aussicht, die ich auf der 113. Auffahrt gewinne, motiviert mich ungemein. Ich forciere mein Tempo, ich bin wieder 100% begeistert bei der Sache. Dafür setzte ich nun auch mit dem jede Runde wiederholten Abklatschen der Leute aus und fahre am untern Wendepunkt gleich wieder mit Druck in den Berg. Die Zeiten werden konstant schneller. Unglaublich viel schneller: von 11:56 auf 11:12. Unten angekommen, schalte ich in der 115. Runde zum ersten Mal seit Beginn der zweiten Runde vor knapp 23 ½ Stunden! Fahre nun mit 30-27-Übersetzung und habe einen unglaublichen Spaß dabei. Ich werde noch einmal deutlich flotter, so dass mir nur noch zwei Fahrer, Sebastian Retzlaff und Thorsten Wischer, folgen können. Ich fahre mit 10:02 min. die schnellste Runde im bisherigen Rennen! Die 21.000 Höhenmeter sind möglich!

Christian Englert informiert die Zuschauenden über dieses vollkommen ungeplante „Ausscheidungsfahren“. Er und die Zuschauenden sind begeistert. Sie feiern uns nun bei jeder Durchfahrt so laut sie können. Wir Drei Verbliebenen gehen die 116. Runde noch einmal deutlich schneller an, ich schalte nun sogar auf 30-25. Unglaubliche 9:23 min. sind die Folge. Wer hätte dies vor ein paar Stunden für möglich gehalten, dass ich ganz zum Ende der Veranstaltung so den Berg noch einmal hoch fliege. Sebastian und Thorsten steigen nun nach einer herzlichen Verabschiedung auch aus, ich gehe alleine in die 117. Runde, für die ich noch 10:43 min. Zeit habe. Ich bin vollkommen sicher, dass ich dies schaffen werde. Locker, dennoch zielstrebig und mit großer innerer Freude fahre ich ein letztes Mal diesen Berg hinauf, grüße noch einmal alle unterwegs Stehenden. Nach zwei Dritteln des Anstiegs habe ich meine Traummarke von 21.000 Höhenmetern erreicht. Vom oberen Wendepunkt lasse ich es herunter rollen und bekomme unten die neue Rundenbestmarke von 9:06 min. mitgeteilt. Jetzt nehme ich mir alle Zeit, klatsche beim langsamen Hochfahren wieder alle in der ersten Reihe stehenden Leute ab, die Menge tobt. Als ich alle abgeklatscht habe, ruft mir Christian Englert zu, dass ich noch mehr als eine Minute Zeit habe und doch weiter fahren solle. Also fahre ich tatsächlich weiter. Die letzten zehn sec. werden herunter gezählt, eine sec. vor Schluss bremse ich ab und bleibe stehen. An dieser Stelle macht Lienhart Troyer, der Vermessungswesen studiert hat, eine fachmännische Markierung, die in den folgenden Tagen von einem Vermessungsbüro vermessen werden wird. Nun kann ich hinunter rollen zur Feier mit allen „im Stadion“. Ich steige vom Rad und klatsche alle am Straßenrand stehenden Personen, die das wollen, ab. Eine lange, aber schöne Prozedur, denn so kann ich mich beim besten Publikum, das ich je erlebt habe, wenigstens ein bisschen persönlich bedanken. Danach feiern wir mit mehrmaligen La-Ola-Wellen. Thomas Sartingen interviewt mich noch. Während dessen merke ich plötzlich, dass mein Kreislauf in den Keller sackt. Hatte in der letzten Stunde Nichts mehr getrunken. Bekomme etwas Mineralwasser und gleich geht es mir wieder gut. Ich werde nach vielen Autogrammen gefragt, was ich gerne erfülle. Zwischenrein fragen mich Journalisten noch Einiges. Ein paar handsignierte Trikots werden noch versteigert. Mein Freund Dieter und meine Frau Monika ziehen mich aus dem Trubel, da sie der Meinung sind, dass ich Ruhe brauche, zumal ich nun auch ausgekühlt bin.

So fahre ich im Auto zum Rührberg hoch, wo das gesamte Betreuungsteam sich nach einem warmen Bad zum gemeinsamen Abendessen trifft und sich austauscht. Gegen Mitternacht komme ich ins Bett – und schlafe sofort ein. Eine kurze Frage meiner Frau höre ich schon nicht mehr.