Kandelkönig

Liebe RadsportfreundInnen,

hier mein Bericht vom heutigen Kandelkönig „Waldkirch (274 m) – Kandel (1242 m)“:

Kaum sitze ich im Zug, beginnt es heftig zu regnen – bis Offenburg. Kurz danach reißt der Himmel auf, die Sonne scheint. Von Denzlingen radle ich nach Waldkirch. Die Straßen sind noch nass. In Waldkirch begrüßt mich Mirco Wiesler (Caritas International) bereits ganz herzlich. Schön, wie mit ein paar kurzen Kontakten eine irgendwie schon herzliche Verbindung entstehen kann. Etliche Andere, denen ich in den letzten beiden Wochen in irgend einer Weise aufgefallen bin, sprechen mich an – und fragen mich Etliches. Nette Gespräche ergeben sich. Ich ziehe mich zurück. Bin dankbar, dass ich heute überhaupt starten darf. Heute nachmittag ist ein lange geplantes Familienfest (der Schwiegerfamilie). Ich werde wegen dem heutigen Rennen erst später dorthin kommen, darf aber heute Mittag hier noch starten.

Eine Stunde vor Rennbeginn fahre ich – bei inzwischen wieder sehr starker Bewölkung (wird es gleich wieder zu regnen beginnen?) die ersten knapp zwei Drittel der Rennstrecke ab. Ich versuche mir die unterschiedlichen Steigungsgrade einzuprägen. Ich erinnere mich an meinen Start beim Kandel-Berglauf (auf exakt der heutigen Strecke) vor zehn Jahren. Damals konnte ich mich nach gut der Hälfte der Strecke aus der Spitzengruppe absetzen und ganz überraschend gewinnen damals kam mir die Steigung recht gleichmäßig vor. Heute merke ich, dass sie gerade in der unteren Hälfte ziemlich unrythmisch ist. An der Gaisfelshütte drehe ich nach 25 Fahrminuten und 7 km um.

Eine halbe Stunde später gehe ich mit Startnummer 68 am Marktplatz von Waldkirch auf die 12,2 km lange und mit rund 950 Höhenmetern gespickte Strecke. Im „großen Blatt“ durch den fast flachen Ort. Nach drei min. bereits an der Herz-Kreislauf-Klinik, nun auf die richtige Kandelstraße. Gleich wird es steiler. Dann wieder flacher. Auf den weniger bewaldeten Abschnitten spüre ich den Wind ziemlich von vorne kommend. Am Gasthaus Altersbach die erste richtige Rampe, ich überhole bereits Jürgen Amann aus Friedrichshafen, der 20 sec. vor mir gestartet ist und bei den ersten beiden Rennen jeweils unter die ersten Acht gefahren ist. Ich versuche meinen Rythmus der Strecke an zu passen. An der Gaisfelshütte habe ich 20 1/2 min. Nun kommt keine richtige Rampe mehr. Meinem Eindruck nach bin ich flott – aber auch nicht zu schnell. In der Mitte stelle ich eine Hochrechnung an: kann ich vielleicht 36 min. fahren? Das wäre super! In mir kommt eine gewisse Zufriedenheit auf. Nach wie vor überhole ich viele RadlerInnen. Manche feuern mich sogar an. Die 36er-Zeit schaffe ich wohl doch nicht. Schade. Liegt es daran, dass ich langsamer geworden bin oder beinhaltet die zweite Streckenhälfte mehr Höhenmeter als die erste? Ich versuche mein Tempo durch zu halten. Im oberen Teil habe ich manchmal den Eindruck, dass der lebhafte Wind mich schiebt – und kurz danach wieder bremst. Das Ziel rückt näher. Bei 37:35 min. fahre ich über die Ziellinie. Eigentlich eine gute Zeit. Allerdings soll Tony Martin 2005 bei einem Einzelzeitfahren knapp vier Minuten schneller gewesen sein…

Jürgen Amann kommt knapp zwei min. nach mir ins Ziel. Ein paar min. später Johannes Höfler, der Führende der Schwarzwaldserie. Er hat keine Ahnung, wie schnell er war. Wir fragen bei dem Zeitnehmer. Dieser hat aber nur die Ankunftszeiten im Ziel. Er sendet diese Zeiten an den Start, dort werden beide Angaben miteinander verknüpft, so dass dann unten die exakte Fahrzeit ausgerechnet wird. Hier oben kann er uns diese nicht mitteilen. Johannes erzählt mir, dass er früher andere Sportarten gemacht hat und erst seit sechs Jahren ernsthaft Rad fährt. Nun fährt er aber ziemlich intensiv. Er ist auch an anderen Bergrennen interessiert, so tauschen wir uns ein wenig darüber aus. Mirco Wiesler kommt ins Ziel. Er ist gut gefahren, 38:27 min. Er erzählt, dass er gehört hat, dass Johannes vor mir führen würde, wir wären beide 37er-Zeiten gefahren. Mehr ist nun nicht zu erfahren. Ich muss zum Zug, fahre über das Glottertal hinab nach Denzlingen. Erst noch ganz schön frisch, unten plötzlich sonnig und warm.

Mit dem Zug nach Landau, von dort mit dem Rad auf die Annakapelle zur doppelten silbernen Hochzeitsfeier der Familie. Um kurz vor 21 Uhr zuhause. Am PC die mich nach den Informationen von Mirco überraschende Nachricht, dass ich mit 52 sec. vor Mirco Wiesler und 1:14 min. auf Johannes Höfler am Kandel gewonnen habe – und nun vor dem abschließenden Einzelzeitfahren am Schauinsland in zwei Wochen die Gesamtführung in der Schwarzwaldserie übernommen habe.

Ein schöner Erfolg, der mir wirklich erfreut.