Krone Kitzhorn Challenge

Wir sind früh in Kitzbühel. Bei der Anmeldung gibt es Probleme bei mir (und Anderen): ich sei „Elite“. Profis dürften hier nicht starten. Ich erkläre, dass ich weder Profi bin, noch eine Elte (A/B-Klasse)-Lizenz habe. Ich darf „unter Vorbehalt“ starten. Dieser Ärger geht mir etwas nach. Kann auch nicht mehr so lange warm fahren. Aber es ist warm, von daher sollte das kein Problem sein. Am Start stehen auch all die anderen der „Elite“ Verdächtigten. Die sehen das vieol cooler, da alle Ü 40 sowieso starten dürften (so stand es auch in der Ausschreibung). Also Start mitten in Kitzbühel. Die erstenm km sind neutralisiert. Dann geht es den Berg hinauf. Etliche fahren ein richtig hohes Tempo. Ich liege max. auf Platz 20. Schnell schiebe ich mich aber nach vorne. Über die Zeitmessung fahre ich schon als 12. Gleich geht es richtig schnell dahin. Ich fahre 34-25-Übersetzung. Bin schnell im hohen Pulsbereich. Fahre ganz vor an die Spitze. Als ich diese erreicht habe. forciert ein Anderer stark. Zu schnell für mich. Ein Zweiter setzt diesem bald nach. Auch ihn lasse ich ziehen. Aber auch ich erhöhe das Tempo leicht und bin so schnell alleiniger Dritter, immer in Sichtkontakt zu den beiden Führenden. Ein steiles „Drecksding“! Schnell schalte ich sogar auf meinen „Rettungsring“ 34-29. Dabei kann ich mich ein bisschen erholen. Als es dann wieder etwas flacher wird, gehe ich wieder auf 34-25. Bin mitten im Berg. In vielen Kurven ist die genaue Meershöhe angegeben. Auch jeder km ist gut makkiert. Auch zwei km vor dem Ziel sind die beiden Führenden noch in Sichtweise. Der bisher Führende wird langsamer und überholt. Auch ich komme ihm immer näher. Von hinten sehe ich aber auch, dass sich Wolfgang Hofmann, der bis Samstag noch bei der Transalp gestartet ist und der hier schon dreimal gewonnen hat. an  mich anschleicht. Ich versuche mein maximales (aber auch nicht überzogenes) Tempo zu fahren. Kurz vor dem „Teufelslappen“ überhole ich den Zweiten! Er kann mir auch nicht folgen. Es geht in den Zielhang. Kann ich den Führenden noch einholen? Nein, dazu fehlt mir jeder „Killerinstinkt“. Von hinten kommt Wolfgang Hofmann immer näher, 150m vor dem Ziel sprintet er an mir vorbei. Großen Respekt, wie er als 44-Jähriger hier noch sprinten kann! Ich kommt sehr knapp hinter den ersten Beiden als Dritter ins Ziel. Die Zielmoderation gibt die Zeiten bekannt. Jetzt erst wird mir klar, dass nur die Nettozeiten zählen (von der Matte eingans der Steigung bis zum Zielstrich). Bei diesen liege ich ganz 0,6 sec. hinter dem Sieger. Dieser ist der Slowene Cvet, den ich von Top-Platzierungen beim Glocknerkönig kenne. Ich bin sehr knapp geschlagen Zweiter (32:37 min. für 7,1km mit 865 Höhenmeter)), noch mit 11 sec. vor Wolfgang Hofmann. Gleich kommt ein Dopingkontrolleur auf mich zu. Ich müsse jetzt eine Dopingkontrolle abgeben. Will versuchen noch Linse, mit dem ich hier bin, an zu feuern. Der Kontrolleur willigt ein, folgt mir in den Zielbereich. Danach werde ich in die „Dopingkontrollräume“ geführt. Dort muss ich eineinhalb Liter trinken, dann kann ich nach langem Warten endlich meine Kontrolle abgeben. Reicht Gott sei Dank gerade so, 175 ml. Ich, der ich vor 15 Jahre meine sehr ausführliche Diplomarbeit über „Moral im Leistungssport – unter besonderer Berücksichtigung der Dopingproblematik“ geschrieben habe, komme so in meinem hohen Alter doch noch dazu, selbst eine Dopingkontrolle abzugeben. Ich bin beeindruckt, wie aufwendig das ganze Verfahren isdt und wie exakt (mit mehrfach doppoltem Boden) es durchgeführt wird. Im „Dopingraum“ beim Trinken gibt es nette Gespüräche, u.a. mit den Siegern Miarian Cvet, der sich selbst als den noch besten Bergfahrer Sloweniens bezeichnet und mir einige Links zu den schönsten und best besetzten Bergrennen Sloweniens zusenden will. sowie mit Karin Gruber, die schon fast alle Bergrennen in den Alpen gewonnen hat. Anschließend SiegerInnenehrung auf der großen Bühe, auf der gleich auch die Sieger und Führenden der Österreich-Rundfahrt geehrt werden. Leider habe ich um 0,6 sec. auch das Live-Interwiew mit dem ORF verpasstr. Gerne hätte ich versucht, meine Botschaft zur globalen Gerechtigkeit los zu werden… Ich bekomme eine Kaffeemaschine, die ich Linse verschenke. Der Sieger bekommt ein komplettes Rennrad. Auch um 0,6 sec. verpasst…

Mit Linse noch nach Wörgl, von dort mit dem Rad bis zur JH Sudelfeld (Südbayern). Morgen nach München, wo um 11:30 Uhr eine Tagung zu „Armut & Hunger in der Welt“ und den Möglichkeiten der Beseitigung beginnt. Mein Leben ist abwechslungsreich. Beide Welten sind oft total getrennt, für mich bilden sie aber eine Einheit. Beim Radrennen sind mir die Themen der globalen Gerechtigkeit wichtig und bei der Tagung die Bewegung an der Natur.