4 Länder, viele Begegnungen, kein Schlaf, über 500km

Kurz nach Mitternacht sehe ich wieder TCR-Fahrende. Wegen meinem Umweg bin ich nun weit hinten im Feld. Überhole Viele. Fast alle fragen mich beim Überholen nach meinem Befinden. Ich frage zurück. Diese gegenseitige Anteilnahme empfinde ich für ein Radrennen als sehr ungewohnt – aber schön. Baue ungewollt weitere kleine Schlenker ein. Diesmal fahre ich aber jeweils recht schnell zurück, wenn ich merke, dass ich mich verfahren habe.

Fühle mich gut. Ab und an eine Party am Straßenrand. Viel Ruhe. Überhole etliche RadfahrerInnen. Manche sehe ich immer mal wieder, weil sie mich bei jedem meiner Schlenker immer wieder überholen. Komme durch einen kleinen Zipfel Frankreichs. Danach geht es in die belgischen Ardennen. Bergauf, bergab, mein Terrain. Geht mir gut dabei. Im Morgengrauen ist der Akku meiner Navigation leer. Ich versuche immer mal wieder den Garmin neu zu starten. Schaffe es nicht. Komme erst einmal gut ohne Navigation zurecht. Weiß aber, dass dies auf Dauer – spätestens in Osteuropa – nicht mehr funktionieren wird und dass ich ohne Garmin keine Chance haben werde. Ob ich eine Lösung finden werde?

Mein Wasser ist aufgebraucht, die Bäckereien aber noch alle geschlossen. Froh, als endlich eine Bäckerei auf hat. Auch die beiden Schoko-Croissants schmecken gut. Durch Arlon durch. Nach Luxembourg. Kurz vor dem Zentrum ein Frühstück in einer größeren Bäckerei. Dauert alles etwas lange. Anschließend finde ich überraschend gut durch die Innenstadt. Bei Perl nach Deutschland. Ein paar Steigungen. Treffe Nico. Er begleitet mich an die Saar. Bald zum dortigen Radweg. Der ist ideal. Auf der parallelen Straße sehr viel Verkehr und Ampeln. Hier rollt es ziemlich ohne Schwierigkeiten. Nico testet – wie ich auch schon – am Verbindungskabel zwischen Dynamo und Navigation. Plötzlich springt die Navigation wieder an – und lädt sich wieder auf! So bin ich nun wieder konkurrenzfähig. In der Zwischenzeit hatte mir mein Radhändler (Stiller in Speyer) telefonisch schon Hilfe zugesagt, was nun aber gar nicht mehr nötig ist. Auch mein Kollege Steffen Glombitza (Umweltreferent bei uns im Bistum) radelt ein Stück mit. Wir halten uns an die Regeln, dass ich voraus fahre und nicht im Windschatten. Kurz vor Saargemünd bin ich wieder alleine. Nun in Lothringen/Lorraine. Navigation funktioniert. Mein Optimismus kehrt zurück. Ich fühle mich gut. Über Bitche nach Wissembourg. Hier treffe ich meine Frau Monika und meine Tochter Hanna. Sie sind auch voll im Fieber, total positiv gestimmt und unterstützen mich mit all ihren Möglichkeiten. Würde am liebsten bei ihnen bleiben, aber das Rennen geht weiter…

Über Lauterbourg und wenige km in der Südostpfalz zur Fähre nach Neuburg. Mit dieser über den Rhein. Hier treffe ich Christian Englert, der schon seit Monaten mit denkt, was das TCR betrifft. Schön, mit ihm zu fahren und zu plaudern. Rufen am Kontrollpunkt 1 an, ob wir dort noch übernachten können. Leider sind gerade die letzten Betten für heute Nacht vergeben worden. Zudem hat Christian kein Licht am Rad dabei. Daher beenden wir kurz entschlossen bei Böblingen meine erste Etappe in einem Hotel. Der Besitzer hat noch ein Zimmer für uns – und ist sehr interessiert am Rennen. Noch am Abend surft er auf der Webseite www.transontinental.cc – und verfolgt die Startnummer 146… Ich liege um Platz 10 – werde nun aber zurück fallen, weil Andere noch weiter radeln.

Duschen, essen, schlafen. Direkt am Nachbarhaus große Gartenparty mit lauter Musik. Da es heiß ist, lassen wir die Tür dennoch auf. Ich bin so müde, dass ich trotzdem schlafen kann. Christian kaum.