Über die Alpen – aufkommende Euphorie

Andere TCR-StarterInnen sind offenbar gestern deutlich länger unterwegs gewesen, von daher habe ich wieder einige Plätze in meiner langen Pause – mit leider nur wenig Schlaf – verloren. Kurz vor 5 Uhr starte ich auch wieder. Straße ist schon wieder fast abgetrocknet. Noch frisch. Kurz nach Morgengrauen in Innsbruck. Linse ist schon wieder hier. Freut mich. Wechseln ein paar Worte. Linse macht noch ein paar Fotos und ein kurzes Interview. Gibt mir noch gute Wünsche mit auf den Weg – und schon bin ich im Anstieg zum Brenner. Hier sehe ich zum ersten Mal seit gestern früh wieder einE RadfahrerIn des TCR – auf einer Bank etwas abseits der Strasse eine Frau. Die muss gut sein! Scheinbar aber gerade noch sehr müde. Komme gut den Brenner rauf, in Südtirol  wird es schnell heiß. Kurz hinter Brixen auf den meist guten Radweg, oft parallel zur Straße. In Bozen in den mir bekannten Bio-Markt. Komme gut durch die Stadt, schnell wieder auf den Radweg nach Trient. Mit Hilfe der Navigation danach über einen spürbaren Anstieg hinüber ins Val Sugana. Dort meist wieder auf dem Radweg. Hier plötzlich auch wieder eine Begegnung mit einem TCR-Fahrer, diesmal Stephane aus Paris. Der will offensichtlich zumindest jetzt nicht mit mir reden. Ich lasse ihn wieder ziehen. Schlage mich durch bis zum zweiten Kontrollpunkt am Fuße des Monte Grappa. Komme als Zwölfter hier an. Nach nur kurzer Pause mache ich mich auf den Weg Richtung Gipfel. Härtester Anstieg des bisherigen Rennens. Ich fahre mit kleiner Übersetzung, aber relativ leicht hinauf. Überhole drei Fahrer und komme als Neunter oben an. Genieße ein wenig die Aussicht. Als ich wieder abfahren will, kommt Robert aus den Niederlanden oben an. Weil er mich unterwegs schon sehr freundlich gegrüßt hat, bleibe ich noch ein bisschen bei ihm sitzen – wir unterhalten uns noch. Sehr angenehm. Als mir kalt wird, fahre ich dann doch schon früher ab, denn Robert isst und trinkt noch Einiges. Die Abfahrt hält noch einige Gegenanstiege bereit. Dann aber geht es doch wieder in die noch immer heiße Poebene. Es dämmert. Ich bin noch nicht müde. Möchte weiter fahren. So will ich zunächst aber noch was essen. Einige Dörfer später gehe ich daher in eine Pizzeria. Hier bin ich über Wifi wieder mit der Welt verbunden. Schreibe wieder whatsapp und schaue mir das Klassement an. Ebenso Wetterprognosen (Hitze, Hitze, Hitze). Mitten im Essen kommt Robert auch in die Pizzeria! Nette Unterhaltung. Robert ist froh, dass der Mt. Grappa geschafft ist, da er die Berge auf dem Rad nicht so mag wie ich. Robert ist ein „alter“ Randonneur, der aber auch solche Wettbewerbe mag. Sein Rad beeindruckt mich: ein anscheinend schlichtes altes Stahl-Rennrad, sicher aber sehr zuverlässig. Auch der Mensch Robert beeindruckt mich: ruhig, sensibel, aufmerksam.

Robert macht sich auf den Weg, ich bald danach auch. Glaube, dass wir uns bald wieder treffen.