Transcontinental: Vorbereitungstour III (Brenner – Debrecen) – über Rumänien nach Debrecen

Wieder tief und knapp 5h geschlafen. Als ich bereits fahren will, fällt mir ein, dass es im Hotel auch noch Frühstück gibt. So mache ich um 6:30 Uhr bereits mein zweites Frühstück. Die Sprache in Ungarn ist für mich in keinster Weise verstehbar, so ganz anders. frühstück heißt z.N. Reggeli. Bin daher froh und dankbar, wenn die Menschen ein paar Brocken Englisch sprechen.

Erst spät (7:34 Uhr) los. Ist nun die Luft schon raus? Nein, eigentlich nicht! Fühle mich gut, die Beine fühlen sich sogar lockerer an als in den vergangenen Tagen. Habe heute den sechsten langen Tag am Stück auf dem Rad – also ideal als Test für das TCR.

Heute ist es etwas wärmer und sehr sonnig. Die Wege sind etwas verschlungen, viele Richtungswechsel. Der Straßenbelag auf den kleinen Straßen oft sehr brüchig bzw. „geflickt“. Unvermittelt stehe ich vor einer Sandpiste. Habe keine Ahnung, wie lange diese ist. Drehe um, knapp 15 km Umweg. Mein Garmin nervt mich mit dem ständig wieder erscheinenden Satz „Bitte wenden“. Versuche ihn um zu programmieren, trotzdem will er mich wenden lassen. Ich muss an Harald welzer denken und seine Aussagen von der Infantilisierung der Gesellschaft: wollen die meisten Menschen mal nicht mehr unter der Vorherrschaft ihrer Eltern leben und selbst entscheiden, was sie tun, lassen sich Viele in unserer digitalisierten welt vorschreiben, was und wann sie essen, trinken, Sport machen sollen und eben auch welchen weg sie fahren sollen. Ich mache den Garmin aus, orientiere mich wieder an der Sonne, fahre via B 41 auf B 49 und schalte den Garmin ein, als ich mir sicher bin, wieder in der richtigen Richtung unterwegs zu sein. Hilfreich ist der garmin gerade in Ungarn schon, denn bei vielen größeren Straßen ist es in Ungarn verboten, auf der Straße zu fahren. Deshalb versuche ich auch den Anteil des Ungarn-Abschnitts auf der TCR-Strecke so gering als möglich zu halten. Überlege sogar kurz, ob ich über die sehr nahe gelegene Ukraine ausweichen soll. Entscheide mich dann aber doch anders. Die radwege in Ungarn sind außerorts oft recht gut. Innerorts allerdings sind es oft nur alte, oft schlecht betonierte, Pfade. Für FugängerInnen geeignet, aber für Transkontinentalradfahrer? Der Garmin hilft mir dann auf eine kleine Straße Richtung Rumänien, die gut zu fahren ist. An der Grenze erste Kontrolle auf der Reise. Dauert sogar eine Weile.

Pause in Careia. Ein äußerlich verwahrlost wirkender Mann bedrängt mich. Ich verstehe ihn sprachlich nicht. Klar ist, dass er mich anbettelt. Da er auf seinen Magen zeigt, vermute ich, dass er Hunger hat. Teile meine Tomaten und Pfirsische mit ihm. Das scheint ihm aber nicht genung. Vermutlich will er noch Geld. Habe aber keines in der Landeswährung (Lei?). Kann im Supermarkt auch nicht mit € zahlen (nur mit EC-Karte). Der Mann ist aber in der Stadt offenbar gut vernetzt. Viele menschen, die vorbei kommen, sprechen mit ihm länger. Wir essen miteinander. Dann fahre ich weiter. Weil mir die Landeswährung fehlt (war auch in Ungarn schon so, Forinth), kann ich auch kein Obst am Straßenrand einkaufen. Ob es sich lohnt, beim TCR etwas Geld in den ungarischen, rumänischen und bulgarischen Landeswährungen mit zu nehmen?

setzte mir für heute das Ziel, nach Zalau zu kommen und von dort wieder Richtung Ungarn zurück zu fahren. Garmin will wieder einen großen Umweg machen. Sind auch in Rumänien viele Straßen für Radfahrer gesperrt oder warum will Garmin einen 150km-Umweg fahren? Ich versuche die direkte Straße zu fahren und schalte den Garmin wieder aus. komme durch kleine Dörfer. Das Leben hier scheint oft noch beschaulich. Kleine Gärten am Haus, manchmal noch eine bank davor – abends sehe ich noch Menschen auf den Bänken sitzen, die sich unterhalten oder einfach schauen, was auf der Straße so los ist. Immer noch sind auch Pferdewagen auf der Straße unterwegs. Aber auch viele LKW. Zwischen den Dörfern viele Felder, v.a. Gemüseanbau. Oft „plattes“ Land. Freue mich, wenn mal ein paar Hügel kommen. Kaum wasserstellen. Bei Hitze könnte das etwas schwierig werden. Heute komme ich gut nach Zalau. Die Straße war durchgehend auch für radfahrende zugelassen. In Zalau gehe ich in ein Cafe. Da sie Nichts zu essen haben, esse ich ein großes Eis (6 Kugeln) zu meiner „heißen Schokolade“. Nun verlasse ich die TCR-Strecke. Den Rest muss ich dann beim Rennen neu erkunden. Will zurück nach Ungarn. Direkt nach Debrecen. Garmin gibt mir wieder eine Strecke mit einem großen Umweg an, liegt es diesmal am Grenzübergang? Wenn das stimmen sollte, müsste ich die Nacht durchfahren, denn morgen früh geht mein Zug in Debrecen. Gewisse Anspannung. Aber ich fühle mich auf dem Rad richtig gut. Bin auch recht flott unterwegs. Die Vorstellung, die Nacht durch zu fahren, schreckt mich auch nicht. An einer Tankstelle 12km vor der Grenze frage ich, ob ich als radfahrer über die Grenze nach Ungarn fahren könne. Ja, ich müsse mich aber beeilen, weil sie um 22 Uhr schließt. Das sind nach rumänischer Zeit noch gut 25 min. Um 21:57 Uhr erreiche ich die Grenze. Freundliche Grenzbeamte. Wir plaudern nett. Und schon bin ich wieder im Schengen-Raum. Auch wenn es auf dieser Seite erst 21 Uhr ist, wird es bereits sehr duster, gleich dunkel. Noch rund 40km bis Debrecen. Über eine kleine Straße komme ich gut in die Stadt. Erstes Hotel ausgebucht, im zweiten komme ich noch unter. Es ist mir eigentlich zu nobel, aber heute nehme ich das dennoch dankbar an, zumal zum Abschluss einer sehr gelungenen Tour.